Hannoversche Landeskirche beschließt neue Verfassung – inklusive Homoehe und gegen Judenhass

Die hannoversche Landeskirche hat sich eine neue Verfassung gegeben, die die Arbeit der Geistlichen weiter in die Gegenwart holen soll und auf vielen Ideen der Kirchenglieder beruht. Auch eine klare Positionierung gegenüber Judenfeindlichkeit ist in dem Artikelkatalog verankert.

Nach mehr als 50 Jahren hat sich die hannoversche Landeskirche eine neue, grundlegend überarbeitete Kirchenverfassung gegeben. Die Synode, das Kirchenparlament, beschloss am Donnerstag in Hannover einstimmig einen entsprechenden Text mit 87 Einzelartikeln. Er war zuvor mehr als drei Jahre lang in zahlreichen Gremien und Gruppen intensiv beraten worden. In Zukunft soll er die Grundlage für das kirchliche Leben bilden. „Das ist ein ganz besonderer Moment, das spüren wir hier alle“, sagte Synoden-Präsident Matthias Kannengießer. Die Mitglieder des Kirchenparlaments spendeten stehend Applaus. Landesbischof Ralf Meister unterzeichnete die Verfassung als erster. Dann folgten alle anwesenden Synodalen und weitere Mitglieder der Kirchenleitung.

Die neue Verfassung soll zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Sie löst die bisherige Kirchenverfassung aus dem Jahr 1965 ab, die aus Sicht der Synode nicht mehr die Kirche von heute abbildet. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist mit rund 2,5 Millionen Mitgliedern in 1.248 Gemeinden zwischen Hann. Münden und der Nordsee die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

Laut Kannengießer soll die neue Verfassung die Grundlagen der kirchlichen Arbeit besser an die Gegenwart anpassen und mehr Freiräume für die Zukunft zu eröffnen. Sie räumt unter anderem Jugendlichen mehr Beteiligungsmöglichkeiten in den Gremien ein. Kirchengemeinden erhalten mehr Möglichkeiten, sich als traditionelle Ortsgemeinde oder als themenorientierte „Personalgemeinde“ zu organisieren. Strukturen sollen schlanker werden. So soll der Kirchensenat, ein „Runder Tisch“ der kirchenleitenden Organe, künftig entfallen. Das Gremium stimmte seiner Auflösung zu.

Starke Signale gegen Judenhass und Homoehe

Die neue Verfassung beschreibt außerdem deutlicher als bisher die theologischen Grundlagen der evangelischen Landeskirche und ihr Verhältnis zum demokratischen Staat. Der Text nimmt auch das Verhältnis zu anderen Konfessionen und Religionen in den Blick. Neu gefasst wurde der Artikel über die enge Verbindung der Kirche zum Judentum. Darin wird nun betont, die Landeskirche trete „jeder Form von Judenfeindlichkeit entgegen“. Kannengießer unterstrich: „Das sind starke Signale, die in unserer Situation noch einmal wichtiger geworden sind.“ Auch homosexuellen Paare können sich nun offen vor dem Traualtar das Ja-Wort geben.

Der Synoden-Präsident lobte die breite Beteiligung der kirchlichen Basis an den Beratungen zur Verfassungsreform. In mehr als 70 Veranstaltungen seien die Einzelartikel vorgestellt und beraten worden. Über 400 Stellungnahmen seien in den Text eingeflossen. Mehrere Tausend Nutzer hätten über die Internet-Plattform www.kirchenverfassung2020.de mitdiskutiert. Die Verfassung sei „eine Zusammenfassung der besten Gedanken und Argumente aus unserer ganzen Kirche“.

Quelle: kreiszeitung.de

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