1 Jahr Ehe für alle: viele Umwandlungen von Lebenspartnerschaften

Berlin/Cottbus/Frankfurt (Oder)/Dresden. Seit einem Jahr dürfen Schwule und Lesben in Deutschland heiraten. Die Standesämter ziehen Bilanz.

Seit 1. Oktober 2017 können Homosexuelle genau dasselbe tun wie Heterosexuelle: heiraten.

Mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich seit der Gesetzesänderung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Standesämtern ergab. Detaillierte Zahlen für die Bundesrepublik werden vom Statistischen Bundesamt bisher nicht erhoben.

Besonders in Großstädten war die Nachfrage nach der „Ehe für alle“ groß. Der Anteil der homosexuellen Ehen lag dort häufig bei mehr als zehn Prozent – die meisten Paare ließen aber ihre bereits geschlossenen eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen umwandeln.

In Berlin wurden seit der Gesetzesänderung in acht von zwölf Bezirken 1.537 schwule und lesbische Paare getraut. Aus den anderen Ämtern der Hauptstadt waren zunächst keine Daten verfügbar. Die Rheinmetropole Köln ist besonders beliebt bei Homosexuellen. Dort heirateten 1.056 Schwule und Lesben. Das entsprach einem Anteil von 18 Prozent an allen Eheschließungen. Ähnlich hoch war er im sächsischen Leipzig mit rund 19 Prozent.

In Potsdam heirateten seit 1. Oktober 2017 genau 85 gleichgeschlechtliche Paare, wovon 61 bereits eine eingetragene Lebenspartnerschaft hatten. Von einem Ansturm könne aber keine Rede sein, hieß es von der Stadtverwaltung.

In Frankfurt (Oder) wurden 16 – elf davon lesbische – gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Bei elf bestand bereits eine eingetragene Lebenspartnerschaft, wie es von der Stadtverwaltung hieß. Der Anteil der gleichgeschlechtlichen Ehen an allen Trauungen in dem Zeitraum habe etwa sieben Prozent betragen, teilte die Stadtverwaltung weiter mit.

In Cottbus wurden nach Stadtverwaltungsangaben neun gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Vier der Paare hatten davor schon eingetragene Lebenspartnerschaften. Auch vor Inkrafttreten des Gesetzes hatte die Stadt jährlich vier bis sechs Lebenspartnerschaften eingetragen. Die Nachfrage halte sich auch aktuell eher in Grenzen, hieß es von der Stadt.

Einige Gemeinden halten die gleichgeschlechtlichen Ehen statistisch nicht gesondert fest. „Ehe für alle heißt Ehe für alle“, erklärte der Sprecher der kleinen Gemeinde Bad Mergentheim in Baden-Württemberg, Carsten Müller. Viele Paare wünschten sich, am gleichen Datum zu heiraten, an dem auch ihre Lebenspartnerschaft eingetragen wurde, wie ein Sprecher der Stadt Rostock erklärte.

Mehr als zwei Drittel aller Paare ließen bundesweit ihre teils sehr lange bestehenden Lebenspartnerschaften in Ehen umwandeln. Auch in Dresden gab es mehr Umwandlungen statt reine Eheschließungen. „Der Andrang im Standesamt durch gleichgeschlechtliche Paare ist nur durch die Umwandlungen größer geworden. Die gleichgeschlechtlichen Eheschließungen ersetzen nur 1:1 die Lebenspartnerschaften, die wir vor dem 1. Oktober 2017 geschlossen haben“, heißt es von der Pressestelle der Stadt Dresden. Seit Jahresbeginn gab es 135 gleichgeschlechtliche Eheschließungen in Sachsens Landeshauptstadt, davon waren 87 Umwandlungen. Die weiblichen Paare haben bisher mit 78 Eheschließungen die Nase vorn. Die Anzahl der Umwandlungen werde in den nächsten Monaten gegen null gehen, so die Schätzung.

In Chemnitz gab es mehr reine Eheschließungen statt Umwandlungen. Seit Jahresbeginn haben 37 gleichgeschlechtliche Paare sich das Ja-Wort gegeben, außerdem haben 17 Paare ihre eingetragene Lebenspartnerschaft eine Ehe verwandelt. Insgesamt wurde in Chemnitz vom 1. Januar 2018 bis zum 15. August 2018 genau 573-mal der Bund fürs Leben geschlossen. Die gleichgeschlechtlichen Ehen hatten damit 2018 einen Anteil von 9,4 Prozent.

Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz war eine Ausnahme. Dort wurden 123 neue Ehen geschlossen, nur 94 Lebenspartnerschaften wurden umgewandelt. Der Anteil der Homo-Ehen an allen Trauungen war mit fast einem Viertel deutlich höher als in anderen Städten. Die Umwandlungen der Partnerschaften werden in den Ämtern ebenfalls mit einer feierlichen Zeremonie begangen.

In einigen Regionen gab es trotz „Ehe für alle“ keinen Ansturm. Nur neun homosexuelle Paare heirateten nach Behördenangaben in der 100.000-Einwohner-Stadt Cottbus in Brandenburg. Generell machten Homo-Ehen in vielen kleineren Städten weit weniger als zehn Prozent aller Ehen aus.

Quelle: lr-online.de

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