Wort des Jahres: „Ehe für alle“ auf Platz zwei

Fast wäre die „Ehe für alle“ das Wort des Jahres geworden. Am Ende musste sich der Begriff aber einer verlorenen politischen Hoffnung beugen.

Die „Ehe für alle“ gehört zu den wichtigsten Begriffen im Deutschland des Jahres 2017: Wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag bekannt gab, landete der aus drei Worten bestehende Ausdruck in diesem Jahr auf Rang zwei. Das Wort des Jahres ist vor allem dem liberalen Parteichef Christian Lindner zu verdanken: An erster Stelle landete der Begriff „Jamaika-Aus“, der das Scheitern der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen beschreibt.

Die GfdS begründete die Aufnahme des Begriffs „Ehe für alle“ mit dem Bundestagsbeschluss vom 30. Juni, als eine große Mehrheit der Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht zustimmte. Weiter heißt es: „Die verkürzende und daher leicht falsch zu interpretierende Formulierung ‚für alle‘ deutet an, dass nach jahrelanger öffentlicher Debatte nun die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen in Deutschland erreicht ist. Das Wort ‚Ehe‘ hat dadurch eine Bedeutungserweiterung erfahren: Es bedeutet nicht mehr nur ‚gesetzlich anerkannter Lebensbund zwischen Mann und Frau‘, sondern überhaupt ‚gesetzlich anerkannter Lebensbund zwischen zwei Menschen‘.“

Begriff geht auf das Französische zurück

Der im Deutschen relativ neue Audruck „Ehe für alle“ wurde aus dem französischen Begriff „mariage pour tous“ entlehnt, der während der Debatte um die Ehe-Öffnung in Frankreich 2012/13 entscheidend geprägt wurde. Aus dem Begriff entwickelte sich auch der Name der Organisation „Manif pour tous“, die mit Massendemonstrationen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben verhindern wollte. In Deutschland formierte sich auf Initiative der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und anderer Homo-Hasser die Organisation „Demo für alle“.

Auf Platz drei der Liste der Wörter des Jahres landete der Hashtag #MeToo, vor dem Trump-Nonsenswort „covfefe“ und der „Echokammer“. Björn Höckes „Denkmal der Schande“ als Bezeichnung für das Berliner Holocaust-Mahnmal schaffte es auf Rang neun. Die Gesellschaft für deutsche Sprache nannte diesen Begriff als Beispiel für „rechtspopulistischen Sprachgebrauch, der mit gezielten Provokationen und Tabubrüchen die Grenzen des in der Politik Sagbaren systematisch zu verschieben versucht“.

Das Wort des Jahres wird von der GfdS seit 1971 regelmäßig vergeben. Ausgewählt werden nach Angaben der GfdS Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. Im vergangenen Jahr gewann das Wort „postfaktisch“, im Jahr davor „Flüchtlinge“.

Quelle: queer.de

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