Welche Ehenamen und Begleitnahmen können wir wählen?

Ehegatten „sollen einen gemeinsamen Familiennamen (Ehenamen) bestimmen.“ Tun sie das nicht, führen sie ihren bisherigen Namen weiter (§ 1355 Abs. 1 BGB).

Ihr könnt den Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens geführten Namen eines der Partner zu eurem Ehenamen bestimmen (§ 1355 Abs. 2 BGB).

Der Geburtsname ist der Name, der in die Geburtsurkunde eines Ehegatten zum Zeitpunkt der Wahl des Ehenamens einzutragen ist (§ 1355 Abs. 6). Das kann ein anderer Namen als der ursprüngliche Geburtsname sein, wenn sich z. B. der Geburtsname durch Adoption geändert hat.

Eure Erklärungen über die Bestimmung des Ehenamens soll bei der Eheschließung erfolgen. Ihr können den Ehenamen aber auch später festlegen. (§ 1355 Abs. 3 BGB).

Hinweis: Konntet ihr euch bis zum Tag eurer Hochzeit noch nicht auf einen gemeinsamen Ehenamen festlegen, habt ihr auch später noch die Möglichkeit, durch eine öffentlich beglaubigte Erklärung einen gemeinsamen Ehenamen anzunehmen. (§ 1355 Abs. 3 BGB). Eine bestimmte Frist existiert dafür nicht.

Hinzufügen oder Voranstellen eines Begleitnamens

Ein Ehegatte, dessen Name nicht Ehename wird, kann durch Erklärung dem Ehenamen seinen Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens geführten Namen als Begleitnamen voranstellen oder anfügen. Dies gilt nicht, wenn der Ehename aus mehreren Namen besteht. Besteht der Name eines Ehegatten aus mehreren Namen, so kann nur einer dieser Namen hinzugefügt werden (§ 1355 Abs. 4 BGB).

Die Wahl des Begleitnamens erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Standesbeamten bei der Begründung der Ehe oder nachträglich durch eine öffentlich beglaubigte Erklärung. Eine Frist besteht dafür nicht. Anders als die Wahl des Ehenamens ist die Wahl des Begleitnamens widerruflich. Nach dem Widerruf ist die Wahl eines neuen Begleitnamens nicht mehr möglich. Man kann daher die Position des Begleitnamens nicht nachträglich durch Widerruf ändern.

Beispiel:
Claudia hieß ursprünglich Schmidt. Sie war zuvor mit Tom Meiningen verheiratet und heißt deshalb – genauso wie ihre beiden Kinder – Meiningen. Sie will mit Lena Schön eine Ehe eingehen.

Zum Ehenamen können die beiden ihre Geburtsnamen oder den Ehenamen von Claudia bestimmen. Claudia und Lena haben somit folgende Wahlmöglichkeiten:

• Sie wählen keinen Ehenamen. Dann behalten sie ihre Namen „Meiningen“ und „Schön“.

• Sie können die Namen „Meiningen“, „Schmidt“, „Schmidt-Meiningen“, „Meiningen-Schmidt“ oder „Schön“ zum Ehenamen wählen.

Wenn sich die beiden für den Doppelnamen Schmidt-Meiningen“ oder „Meiningen-Schmidt“ als Ehenamen entscheiden, muss Claudia zunächst erklären, dass sie ihrem Ehenamen „Meiningen“ ihren Geburtsnamen „Schmidt“ voranstellen oder anfügen will (§ 1355 Abs. 4 BGB)).

• Dagegen können Claudia und Lena ihren Ehenamen nicht aus ihren Geburtsnamen „Schmidt“ und „Schön“ bilden. Die Kombination „Schmidt-Schön“ oder „Schön-Schmidt“ ist als Ehename nicht möglich.

• Wenn Claudia bereits „Schmidt-Meiningen“ oder „Meiningen-Schmidt“ heißt und sich die beiden für den Namen „Meiningen“ als Ehenamen entscheiden, muss Claudia zunächst ihre frühere Erklärung widerrufen, dass ihr Geburtsname „Schmidt“ ihrem Ehenamen „Meiningen“ vorangestellt oder angefügt werden soll (§ 1355 Abs. 4 Satz 3 BGB).

• Wenn sich die beiden für die Ehenamen „Schmidt“ oder „Meiningen“ entscheiden, kann Lena ihren Geburtsnamen „Schön“ dem Ehenamen voranstellen (Lena Schön-Schmidt bzw. Lena Schön-Meiningen“) oder anfügen (Lena Schmidt-Schön“ oder Lena Meiningen-Schön). Claudia kann dagegen keinen Begleitnamen wählen, weil ihr Name „Schmidt“ bzw. „Meiningen“ zum Ehenamen geworden ist.

• Wenn sich die beiden für den Ehenamen „Schön“ entscheiden, kann Claudia ihren Geburtsnamen „Schmidt“ oder ihren Ehenamen „Meiningen“ dem Ehenamen voranstellen (Claudia Schmidt-Schön bzw. Claudia Meiningen-Schön) oder anfügen (Claudia Schön-Schmidt“ oder Claudia Schön-Meiningen). Lena kann dagegen keinen Begleitnamen wählen, weil ihr Name „Schön“ zum Ehenamen geworden ist.

• Wenn die beiden den Doppelnamen „Schmidt-Meiningen“ oder „Meiningen-Schmidt“ zum Ehenamen wählen, darf Claudia ihren Geburtsnamen „Schön“ dem Doppelnamen nicht voranstellen oder anfügen.

• Wenn Claudia bereits „Schmidt-Meiningen“ oder „Meiningen-Schmidt“ heißt und sich die beiden für den Ehenamen „Schön“ entscheiden, darf Claudia nicht Ihren Doppelnamen, sondern nur den Namensbestandteil „Schmidt“ oder „Meiningen“ dem Ehenamen voranstellen oder anfügen.

Wenn Claudia und Lena als Ehenamen einen anderen Namen als „Meiningen“ wählen, können Claudia und Lena den Kinder von Claudia mit Zustimmung des Vaters ihren Ehenamen erteilen (§ 1618 BGB) Das nennt man Einbenennung. (siehe den Ratgebertext „Einbenennung“ vom LSVD).

Vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung des Ehe- und Lebenspartnerschaftsrechts

Beispiel:
Claudia Meiningen geb. Schmidt und Lena Schön haben ihre Lebenspartnerschaft vor dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung des Ehe- und Lebenspartnerschaftsrechts begründet. Sie hätten sich gern „Meiningen“ genannt. Da damals aber nur die Geburtsnamen zum Lebenspartnerschaftsnamen gewählt werden konnten, haben sie keinen Lebenspartnerschaftsnamen gewählt.

Da der Ehen- oder Lebenspartnerschaftsname auch später festgelegt werden kann, können Claudia und Lena jetzt den Namen „Meiningen“ wählen.

Ist einer der Ehegatten Ausländer, können die Ehegatten den Ehenamen auch nach dem Heimatrecht des ausländischen Partners wählen (Art. 17b Abs. 4 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 und Art. 10 Abs. 2 EGBGB, siehe den entsprechenden Ratgebertext vom LSVD).

Den Ratgebertext zum Namen von Inseminations- und Adoptivkindern findet ihr hier vom LSVD.

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