Warum tragen Deutsche und Holländer den Ehering rechts, Spanier und Italiener links?

Die Tradition ist ein wenig aufgeweicht, aber trotzdem gilt immer noch: In mediterranen Ländern trägt man links, je weiter man nach Norden kommt, desto eher wird der Ehering auf die rechte Hand gesteckt. Den Ring links zu tragen ist die traditionelle und auch symbolträchtigere Variante: Mit der linken Hand wird die Nähe zum Herzen dokumentiert, sie gilt als die Glückshand, die Erbhand, aus der linken Hand kann man die Zukunft sehen. Schon die Römer trugen dort den „fede“, den „Treuering“ – die Christen übernahmen diesen Brauch.

Im 16. Jahrhundert erkämpften die Niederlande die Unanhängigkeit von Spanien, nördlich der Alpen entwickelten sich einflussreiche Reformationsbewegungen, etwa von Luther und Calvin, die sich von der römisch-katholischen Kirche lösen wollten. Die Protestanten tragen seitdem bewusst den Ehering zum Zeichen des Protestes gegen die kirchliche Macht rechts, als Symbol ihres „neuen“ Glaubens, der frei von Pomp und Prunk sein soll.

Der „Kampf der Kulturen“ – Ehering rechts oder links? – wurde besonders deutlich bei der Hochzeit des holländischen (und somit protestantischen) Prinzen Willem, der die Argentinierin (und Katholikin) Maxima geheiratet hat. Der Protestantismus setzte sich durch, Willem streifte Maxima den Ehering über den rechten Ringfinger. Viele Katholiken glaubten, als sie die Zeremonie verfolgten, an einen schrecklichen Lapsus.

Quelle: „P.M. Fragen & Antworten“, Ausgabe 4/2009, S. 58

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