Gay Travel Index 2017: Deutschland nur noch auf Rang 22

Im jährlich vom „Spartacus International Gay Guide“ veröffentlichten Index fällt Deutschland erneut zurück – zum fünften Mal in Folge.

Schweden und Großbritannien sind die besten Reiseziele für Schwule und Lesben. Das ist das Ergebnis des am Freitag veröffentlichten „Spartacus Gay Travel Index 2017“ (free Download – PDF 199 kB), mit dem der „Spartacus International Guide“ seit 2012 jährlich weltweit Reiseziele vergleicht – in diesem Jahr waren es insgesamt 194 Länder oder Territorien. Bereits im letzten Jahr hatten die beiden nordeuropäischen Länder die Rangliste angeführt.

Den dritten Platz teilen sich insgesamt neun Länder, darunter sieben auf dem europäischen Kontinent. Dabei handelt es sich um Belgien, die Niederlande, Frankreich, Dänemark, Island, Finnland, Irland, Kanada sowie das französische Übersee-Département La Réunion, eine Insel von der Größe Luxemburgs im Indischen Ozean.

Deutschland liegt in der neuen Rangliste nur noch auf Platz 22 – damit ging es im Vergleich zum vergangenen Jahr um sieben Plätze nach unten. Die bei LGBTI-Rechten stagnierende Bundesrepublik war zuvor Jahr für Jahr um je einen Platz zurückgefallen. Beim ersten Index im Jahr 2012 lag Deutschland in der Rangliste noch auf dem elften Platz. Mehrere Länder sind an der Bundesrepublik vorbeigezogen – etwa Österreich, das augenblicklich auf Rang zwölf liegt.

Stark verbessert hat sich Italien dank der Einführung von eingetragenen Partnerschaften. Das Land verbesserte sich um 15 Plätze und liegt nun auf Rang 49.

Warnung vor erstarkendem Rechtspopulismus

Der „Spartacus Gay Guide“ warnt angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus in Europa und Amerika vor „dunklen Zeiten“. „Es besteht das Risiko eines Rollbacks“, heißt es in einer Pressemitteilung. So wird als Beispiel US-Präsident Donald Trump genannt, dessen Regierung bereits damit angefangen habe, die Rechte von LGBTI zu beschneiden. Auch in Frankreich gebe es mit der rechtsextremistischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen erhebliche Unsicherheiten.

In Deutschland wird mit Blick auf die AfD ebenfalls ein „erstarkendes rechtspopulistisches Klima“ beklagt. Kritik gibt es auch an der Union, die als einzige im Bundestag vertretene Fraktion am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhält. Im Augenblick scheine es laut „Spartacus“ wenig wahrscheinlich, dass es nach der Bundestagswahl eine Regierung geben werde, die die Ehe für alle einführt.

Somalia liegt auf dem letzten Platz

Laut der Liste ist Somalia das schlimmste Land der Welt für Schwule und Lesben, ein wenig davor liegen die Vereinigten Arabische Emirate, der Iran und Saudi-Arabien. In allen vier Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Das schlimmste Reiseziel in Europa ist wie im Vorjahr Russland, das auf einer Stufe mit Afghanistan und Libyen steht. Dahinter folgen der Vatikanstaat und die Türkei.

Ein Sonderfall in der Liste sind wie in den Vorjahren die USA – insgesamt liegt das Land auf Platz 34 und hat sich damit um sechs Plätze verbessert. Wegen der föderalen Struktur des Landes hat der „Spartacus International Guide“ aber eine eigene Liste der 50 Bundesstaaten erstellt. Angeführt wird die Liste von New York, Massachusetts und Kalifornien. Ganz hinten stehen die Südstaaten North Carolina und Alabama.

In der Liste wird anhand von 14 Kriterien sowohl die rechtliche Lage, etwa Antidiskriminierungsrichtlinien oder die Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften, gewertet als auch das LGBT-Marketing, die Akzeptanz von Homosexualität durch die Bevölkerung, der religiöse Einfluss oder Morde an Angehörigen sexueller Minderheiten.

Die LGBTI-Organisation ILGA Europe erstellt mit „Rainbow Europe“ einen ähnlichen Index für Europa, der ständig aktualisiert wird. Darin werden noch detaillierter als beim „Spartacus“-Index verschiedene Politikzweige analysiert, etwa die Lage von LGBTI-Flüchtlingen im Land ist. Diese Liste wird von Malta angeführt, gefolgt von Belgien und Großbritannien. Deutschland liegt derzeit auf Rang 16. Auch in dieser Liste hat Deutschland in den letzten Jahren an Boden verloren. 2010 lag die Bundesrepublik noch auf Rang elf.

Der neue Gay Guide von Spartacus wird am 1. April erscheinen, hier vorbestellen:

Quelle: queer.de

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